Soziale Nähe in Zeiten der Pandemie

Soziale Nähe in Zeiten der Pandemie

Es ist eine außergewöhnliche Zeit für uns alle.

 

Nicht nur für die Menschen in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Wir sehen augenblicklich, dass Wohlstand, technische Errungenschaften, Kunst, Kultur oder die so gepriesene künstliche Intelligenz, gegen ein mikroskopisch kleines Virus nichts ausrichten kann.

 

Es triff die jungen und die alten Menschen, egal ob arm oder reich. Es trifft uns, egal welche Hautfarbe wir tragen oder, wenn überhaupt, welcher Religion wir uns zugehörig fühlen. Es macht nicht Halt vor Hochhäusern, Lehmhütten oder Villen. Das Leben von uns allen verändert sich seit Tagen, nahezu stündlich. Was jetzt noch ausgeschlossen scheint, ist morgen die Wahrheit und was jetzt geglaubt wird zu wissen, erweist sich vielleicht schon heute Abend als Trugschluss. Vielen Menschen bereitet das Angst…

Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber und die Angst kann niemals ein helfender Freund sein.

Wir hören in den letzten Tagen und Wochen immer wieder den englischen Ausdruck „social distance“, doch diese soziale Distanz verstärkt die Einsamkeit und damit, bei vielen Menschen, die Angst. Verändern wir doch Ausdruck in „physical distance“ und die Welt sieht schon ein wenig anders aus. Wir wollen uns nicht sozial distanzieren, denn das würde bedeuten, uns menschlich zu distanzieren. Lassen Sie uns den, mehr als notwendigen, physischen Abstand halten, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, aber hüten wir uns alle davor, den sozialen Abstand zu vergrößern.

Wir Menschen sind denkende, analysierende aber, und vor allen Dingen, fühlende Wesen. Sehen wir lachende Menschen, werden Neurone, das sind Nervenzellen, in uns aktiviert, welche uns dann selbst lächeln lassen. Diese Nervenzellen kennen wir unter dem Begriff „Spiegelneurone“. Leider passiert das aber auch in die gegensätzliche Richtung. Schauen wir in ein trauriges Gesicht, empfinden wir ebenfalls Traurigkeit.

Augenblicklich sehen wir viele leere Straßen, Plätze, Cafés oder andere Orte, an denen sich normalerweise Menschen treffen. Sie reden, lachen miteinander oder tauschen Zärtlichkeiten aus.

Vielleicht lässt Ihr Gehirn gerade eine Erinnerung vor ihrem inneren Auge ablaufen, in der sie eine Eisdiele an einem schönen Sommertag sehen. Sie hören das Stimmengewirr, die lachenden Kinder und vielleicht können Sie sogar die Sonne auf Ihrer Haut fühlen.

Aber dann sehen Sie genau diese Eisdiele leer. Die Tische sind unbesetzt, die Türen verschlossen, die Lichter gelöscht und der Springbrunnen vor der Eisdiele spendet kein Wasser, in dem die Kinder fröhlich hin und her tapsen. Dieser Anblick stimmt uns traurig.

Die Fähigkeit zu fühlen, zu empfinden, braucht aber nicht nur Nervenzellen, sondern auch Hormone. Hormone sind Boten einer Vielzahl von Emotionen.

 

Wir Menschen sind Herdentieren…

…der eine mehr, der andere weniger. Die meisten von uns sind nicht für das Alleinsein gemacht. Wir sind emotional vernetzt, brauchen Blicke, brauchen Worte und, heute mehr denn je, brauchen wir Berührungen.

Je nachdem wie wir uns fühlen, mixt unser Körper einen neuen Hormoncocktail. Dieser Hormonmix hat auch immer Auswirkungen auf unseren Körper. Die Auswirkungen können gut für uns sein, uns stärken, unsere Neugierde wecken, uns konzentriert sein lassen, Vertrauen finden oder Lösungen suchen.

Aber sie können auch negative Auswirkungen auf unseren Körper haben, indem sie unseren Blutdruck steigern, dass Herz rennen oder stolpern lassen, uns zum Erzittern bringen oder unsere Gedanken immer wieder und wieder in die gleiche Richtung steuern, die wir als unangenehm empfinden.

Wie können wir, in Zeiten wie diesen, einen erstklassigen „Gute-Laune-Mix“ herstellen?

Wir nehmen hierfür das Rezept „Social competence and physical distance“. Das Glück hat viele Gesichter und jeder Mensch mag unter Glück auch etwas anderes verstehen, aber eines ist ganz sicher, jeder Mensch hat eine Vorstellung vom Glück. Und diese Vorstellung hat, in der Regel, immer etwas mit der augenblicklichen Lebenssituation zu tun.

Ob man es glaubt oder nicht, wir hier in Deutschland und in vielen anderen Ländern auf der Welt, scheinen zum ersten Mal in diesen Tagen alle in einem einzigen Boot zu sitzen.

In der Medizin gibt es eine Gruppe von Hormonen, die man unter dem Oberbegriff „Glückshormone“ zusammenfasst.

Schauen wir uns davon einmal drei Hormone an die wir, ohne großen Schwierigkeiten, produzieren können, wenn wir wissen wo sie gebildet werden und wie wir ihre Ausschüttung reizen können.

Beginnen wir mit dem Serotonin. Serotonin ist ein Hormon, dass zum größten Teil in unserem Darm gebildet wird. Es besitzt viele Eigenschaften, die uns zu Gute kommen. So sorgt es körperlich dafür, dass sich unser Darm bewegt und wir Nahrung verdauen können. Es hilft uns bei der Temperaturregulation und bei der Bewertung eines Schmerzgeschehens. Zusammen mit dem Hormon Melatonin, kontrolliert es den Schlaf-Wach-Rhythmus, unseren Bio-Rhythmus.

Emotional schenkt es uns die Fähigkeit, Wohlbefinden und Zufriedenheit fühlen zu können. Serotonin schafft es, dass wir uns gedanklich selbst auf die Schulter klopfen können, weil wir etwas gut hinbekommen haben, denn es stimuliert, zusammen mit dem Dopamin, unser Belohnungszentrum.

Gesunde Ernährung, vor allem Obst und Gemüse, Getreide und Eier, sorgen für eine ausgewogene Serotoninbilanz, in einem gesunden Darm.

Ausreichend Schlaf, möglichst in einem individuellen und gleichbleibenden Rhythmus, unterstützt das Ganze noch.

Stellen wir uns jeden Tag einer Aufgabe, die erreichbar aber nicht ganz so einfach ist. Zum Beispiel, der Einkauf von Toilettenpapier für die hochtagte Nachbarin, die ihr Haus nicht mehr verlassen soll oder kann.

Haben wir das geschafft und sind dabei noch liebenswürdig zu unseren Mitmenschen geblieben, dürfen wir zu Recht von uns begeistert sein und damit unser Belohnungssystem aktivieren.

Jeder Mensch scheint inzwischen irgendetwas über Vitamin D gelesen oder gehört zu haben. Seit Jahren schon ist ein richtiger Hype um dieses Hormon entstanden und man hat das Gefühl, jeden Monat kommt einer neuer Nobelpreis-Aspirant mit neuem, revolutionärem Wissen über Vitamin D, über die Medien in unser Wissen.

Vitamin D nehmen wir zum größten Teil mit dem Sonnenlicht über unsere Haut auf. Einen kleinen, aber nicht unerheblichen Teil, können wir mittels gesunder Nahrungsmittel aufnehmen.

In unserem Körper wandeln dann vor allem unsere Leber und Niere dieses Vitamin um. Es hilft uns körperlich u.a. beim Aufbau von Knochen, Zähnen und Muskeln durch die Aufnahme von Calcium aus dem Darm. Unserem Immunsystem hilft es Fremdkörper, sog. Antigene, zu erkennen und unschädlich zu machen. Damit ist es an der Infektabwehr beteiligt und reduziert so die Entzündungsreaktionen.

Auf emotionaler Ebene hilft es uns, Stress zu bewerten und in geeigneter Weise auf ihn zu reagieren. Vitamin D fördert durch die Regulierung des Hormonhaushaltes, das Gefühl der inneren Ruhe und sorgt so für Lebensfreude und Aufmerksamkeit.

Ein bis zwei Stunden täglich, an der frischen Luft, in unserem Garten, auf dem Balkon oder an Orten, an denen wir nicht so vielen Menschen begegnen werden, reichen aus, um uns mit diesem Vitamin zu versorgen. Sollte das nicht gelingen, weil man vielleicht erkrankt oder bettlägerig ist, kann Vitamin D heute sehr gut substituiert werden.

Entscheiden wir uns für diese Variante, sollten wir aber eine Apotheke aufsuchen um ein wirklich geeignetes Präparat zu bekommen.

Können wir aber das Haus verlassen, und gehen wirklich nur mit dem Ziel des Einkaufens in den nächsten Supermarkt, können wir alles Notwendige für eine schmackhafte und vitamin-D-reiche Mahlzeit erstehen.

 

Es ist Zeit für Berührungen!

Bitte verstehen Sie das jetzt nicht falsch. Die Menschen in unserem engen Umfeld, vorausgesetzt sie und wir sind gesund und nicht infiziert, sollten einander berühren. Körperlich und seelisch.

Denn in beiden Fällen schüttet unser Körper das sog. „Kuschelhormon“ Oxytocin aus. Vielen Mitmenschen kommt dieser Name bekannt vor. Allerdings bringen sie mit dem Namen nichts Gutes in Verbindung, denn er erinnert sie an die starken Schmerzmittel, die sie einnehmen müssen, um den Tag zu überstehen.

Oxytocin wird in unserem Gehirn gebildet, genauer gesagt in unserem Hypothalamus. Eine Aufgabe des Hormons ist die Schmerzausschaltung oder Schmerzlinderung. Kurz vor der Geburt schüttet jede Schwangere dieses Hormon aus, welches ihr einmal dabei hilft, die Wehen einzuleiten und den Wehenschmerz zu ertragen. Danach sorgt es bei Mutter und Neugeborenem aber auch dafür, über das Stillen, die Bindung mit dem Neugeborenen aufzubauen und zu festigen. Oxytocin schafft Vertrauen, aber auch die Kraft für das Kind oder die Personen, die einem nahe sind, Problemlösungen zu finden oder für sie zu kämpfen.

Gestärkt durch dieses Hormon, überträgt sich unsere positive Stimmung auf die Menschen, die uns umgeben. Viele Studien der letzten Jahre haben ergeben, dass die Ausschüttung sowohl durch körperliche Berührung, als auch durch den Anblick einen lieben Menschen, oder das bloße Denken an diesen Menschen geschieht.

Sie sehen, auch in diesen Zeiten ist es möglich etwas Zusätzliches für unsere Gesundheit zu tun.

Gesund durch Infektabwehr, weil wir uns körperlich distanzieren, um uns und den anderen eine Infektion zu ersparen. Gesund aber auch, weil wir uns sozial und emotional nah bleiben und für einander da sind.

Genießen Sie die Sonne, lachen Sie, bereiten Sie gesunde Mahlzeiten zu, für sich und vielleicht für diejenigen, die unsere Hilfe brauchen. Berühren Sie sich und andere mit Gesten und Worten.

Dann hat der Mensch dem Virus doch etwas sehr Entschiedenes entgegen zu setzen:

 

Die Menschlichkeit.

Bleiben Sie gesund.

Ein Gastbeitrag von HP Mona Ellinghoven