1ter Brief von (D)einem inneren Kind

Erster Brief von (D)einem inneren Kind

Hallo Du da, weißt Du wer ich bin?

 

Wenn Du glücklich bist, dann bin ich das. Wenn Du albern bist, dann bin ich das. Wenn Du diese Ausgelassenheit in Dir fühlst, dann bin ich das. Ich bin all die Gefühle in Dir, Deine Lebendigkeit, Deine Leichtigkeit, Deine Lebensfreude, Deine Kreativität, all die Liebe, die Du oft in Dir spürst, das alles bin ich. Ich Dein Inneres Kind.

Ich bin der rein fühlende Teil in Dir und ich fühle eine gaaanze Menge, wie Du ja oben schon selbst gelesen hast. Aber ich trage auch ganz viele nicht so schöne Gefühle in mir, wie Traurigkeit, Enttäuschung, Wut und vor allem auch Angst. Erinnerst Du Dich daran, als wir etwas zusammen erlebt haben, was uns ganz traurig gemacht hat? Oder wo wir solche Angst hatten? Oder wo wir so wütend waren?

Weißt Du, ich brauche Dich, Dich den Inneren Erwachsenen, oder wie ich Dich zärtlich nenne, meine Innere Mama, oder meinen Inneren Papa…ich brauche Deine Annahme, dass ich da bin, ich brauche Zeit und Raum in Deinem Leben, ich brauche Dich, damit Du mir meine Bedürfnisse erfüllst, das kann ich ja nicht alleine. Ich bin ja das Kind….aber vor allem brauche ich Deine emotionale Sicherheit.

 

Kannst Du Dich daran erinnern, was wir uns als Kind so gewünscht haben?

Nein, nicht die Puppe, oder das Auto…ich meine welche Gefühle wir uns so sehr gewünscht haben? Wenn wir hingefallen sind und das Knie ganz dolle geblutet hat, da liefen uns doch die Tränchen, weißt Du noch? Aber wir brauchten nicht sofort das Pflaster und so´n Desinfektionsgedöns…nein was wir, Du und ich wirklich gebraucht haben, war es in den Arm genommen, getröstet und gestreichelt zu werden…und liebe Worte so ein HerzGeflüster wie:

„Mein kleiner Schatz. Ich sorge für Dich und ich tröste Dich. Weine ruhig, das tut bestimmt weh. Ich bin da und halte Dich in meinen Armen.“

Ich möchte auch nicht in Dein, manchmal schon wirklich komisches Erwachsenengedöns, wie Partnerschaft, Beruf, Geld mit einbezogen werden, ich kann doch gar nix damit anfangen und hab gar nicht das Wissen, klar ich bin ja auch Dein Gefühl. Aber manchmal, da habe ich nur so die Möglichkeit, dass Du mich siehst, oder manchmal schubst Du Mich auch nach vorne, weil Du keine Entscheidungen treffen willst…aber ich kann das nicht und ich brauch das auch nicht machen…ich bin doch das Kind. Du bist doch für mich verantwortlich, Du bist doch die Große, oder der Große…ich bin das Kind.

Übrigens, wenn ich mit all meinen ganzen, schlimmen Gefühle allein gelassen werde, habe ich auch keine Lust meine Lebensfreude in Dein Leben zu entfalten…wie der Schmetterling seine Flügel. Nö, das sehe ich gar nicht ein. Ich will dieses Gefühl von Angst, Wut, Traurigkeit endlich loslassen dürfen. Dafür brauche ich aber Dich, denn Du hast die Kraft und Stärke, hast schon so viel erreicht…ich brauche Dich an meiner Seite, brauche Deine Hilfe, dann bin ich nicht alleine und kann Dir zeigen, was in mir so alles brodelt.

Weißt Du ganz viele Gefühle konnte, wollte oder durfte ich ja nicht fühlen…erinnere Dich was wir alles gemacht haben, weil wir gemerkt haben wie es Mama und Papa wirklich ging. Die haben zwar so getan, als ob alles toll ist, aber wir haben doch gefühlt, dass es gar nicht so war und wir haben versucht die beiden zu entlasten, sie am Leben zu halten…denn wer kümmert sich um uns, wenn sie nicht mehr da sind. Dass es Mama und Papa gut geht war doch lebenswichtig für uns.

Erinnerst Du Dich als wir klein waren und wir mussten alles machen, durften nicht Nein sagen, oder versuchen unseren Willen durchzusetzen? Früh schlafen gehen, nicht zu lange im Schwimmbad im Wasser bleiben, den tollen Film nicht zu Ende gucken, weil es zu spät war? Menno, die Erwachsenen dürfen alles, können sich alles kaufen, dürfen so lange aufbleiben, wie sie wollen und müssen nix, wenn sie nicht wollen….so wollten wir auch sein…machen und tun was wir wollen…oder wie die Pippi Langstrumpf sagt:

„Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt!“

Jetzt sind wir groß…

…und wir können alles machen, außer wenn wir anderen damit schaden, ist ja klar…und jetzt kommen diese ollen Glaubensmuster, die wir damals von Mama oder Papa, Oma, Opa oder so bekommen haben…“Das schaffst Du nicht. Wer glaubst Du denn wer Du bist. Man muss hart arbeiten im Leben. Vertrau niemanden nur Dir selbst. Das kannst Du nicht.“

Das stimmt doch gar nicht. Das war deren Glauben, aber das ist doch nicht unser. Die wussten doch gar nicht, was in uns steckt.

Für mich war damals klar, ich werde später Prinzessin…

…und anderen Kindern war auch kein Berg zu hoch und keine Phantasie zu blöd…wir haben das gefühlt, bevor die Erwachsenen mit ihrem Verstand uns alles ausgeredet haben.

Aber ich weiß, dass Du alles erreichen kannst, meine geliebte Innere Mama, mein geliebter Innerer Papa. Du bist ganz ganz toll und weißt Du auch, woher ich das weiß, weil ich ganz ganz toll bin. Ich bin so ein tolles Kind in Dir und ich will das endlich alles in Dein Leben entfalten, damit es uns beiden richtig, richtig gut geht.

Deswegen, meine liebe Innere Mama, mein lieber Innerer Papa…brauche ich Dich. Ich liebe Dich so sehr. Du bist der wichtigste und wertvollste Mensch in meinem Leben. Ich bin Du und Du bist Ich. Wir gehören zusammen, für immer.

Dein Inneres Kind

Was macht das mit Dir, wenn Du diesen Brief liest?

Ein Gastkommentar von Kirsten Stefen (Psychologische Beraterin)